Gartentipp August 2021 - Lavendel

Gartentipp August 2021

Lavendel, schön und nützlich

Dieser Zwergstrauch fasziniert Gartenfreunde schon lange. Gefühlt vermittelt er Sonne, Meer, Entspannung, südliche Lebensart. Seit einiger Zeit beobachte ich ein stärkeres Vorkommen in Gärten und Anlagen. Da jetzt ja jeder sowieso Insekten retten will, hat er noch einen zusätzlichen Schub bekommen. So wie ich Lavendel mittlerweile kenne, ist er doch kein Pienzchen, also besonders empfindlich. In meinem Heimatdorf wächst er in engen, freien Streifen an der Straße ohne besondere Pflege. Auch auf Pflanzflächen in Töpfen oder Kübeln hält er durch. Gut, was ist zum manierlichen Gedeihen angesagt? Unterscheiden wir gleich mal zwischen dem der in Frankreich äckerweise für Duftwasser angebaut wird und dem Echten Lavendel. Er, Echter Lavendel, ist für den Garten auf Grund seiner Robustheit die erste Wahl. Der „Ertragslavendel“ ist auf höchste Ölgehalte gezüchtet, ein Hybrid. Echter Lavendel ist winterhärter, pflegeleichter und treibt nach Rückschnitt zuverlässiger wieder aus. Ursprünglich stammt er von den Küstenbereichen des Mittelmeeres. Bodenmäßig hat er gerne einen sonnigen, trockenen Standort. Im Winter macht Nässe Schwierigkeiten. Was zum Absterben führen kann. Normalerweise ist er in milden Gebieten, Weinbauklima, ausreichend frosthart. Bei mir in der Nordpfalz sehe ich häufiger alte, große Büsche die schon ein paar Winter überstanden haben. Zweistellige Minustemperaturen waren durchaus immer mal wieder drin. Okay, früher halt. Mein Eindruck ist, ein geschützter Platz ohne schneidend, kalte Winde spielt eine gewisse Rolle. Auch Frostlöcher sind zu vermeiden. Kaltluft muss ablaufen können. Für erfahrene Gärtner ist das ein alter Hut. Aber immer wieder gern vergessen. Als ganz wichtige Pflegemaßnahme sehe ich den Schnitt dieses Halbstrauches. Falls das nicht regelmäßig geschieht altert er schneller, fällt auseinander, blüht schwächer. Kurz um, er wird schlichtweg unansehnlich. Im Frühjahr und nach der Blüte ist die Zeit für einen Frisörbesuch. Im Sommer gilt es das Verblühte und einen Teil der Pflanze zu entfernen. Als grobe Richtschnur können sie ein Drittel bis die Hälfte abschneiden. Im Frühjahr bevor das Wachstum so richtig einsetzt kommt die zweite Rasur. Hier können sie durchaus die Hälfte bis zwei Drittel der Höhe wegnehmen. Unansehnlich gewordener Lavendel soll sich mit einem Schnitt ins alte Holz wieder aufmuntern lassen. Aus schlechter Erfahrung hab ich mir jedoch generell angewöhnt so eine daumenbreite „Grünes“ stehen zu lassen. Also nicht alles weg, sondern dieses Stückchen quasi als Zugtrieb nutzen. Es gibt unterschiedliche Meinungen zum Schnitt ins alte Holz. Im Extremfall fehlt dem alten, verholzten Teil einfach die Triebfreudigkeit und die Pflanze stirbt komplett ab. Andere sehen kein Problem den Strauch auf diese radikale Weise zu verjüngen. Fingerspitzengefühl ist sicher gut. Lassen sie ihn gar nicht erst so vergreisen. Jährlicher Schnitt nach der Blüte und im Frühjahr sorgt für vitale und kompakte Pflanzen. Wobei es nach dem Sommerrückschnitt des Abgeblühten eventuell noch zu einer leichten Nachblüte kommen könnte. Sowas kam mir schon zu Ohren. Allerdings hab ich davon noch nie was gesehen. Es ist sinnvoll vor der Samenbildung zu schneiden. Wie der Hobbygärtner weiß, das kostet die Pflanze sonst unnötige Kraft.


Alter, lange nicht geschnittener Lavendelstock

Diese fehlt dann, u. a. für eine nochmalige Blüte. Auch soll der Schnitt nicht zu spät stattfinden. Der neue Austrieb braucht im Herbst noch genügend Zeit um auszureifen. Weil es sonst im Winter Probleme mit dem Durchhaltevermögen gibt. Für welche Möglichkeiten kann ich den Lavendel auf meinen Flächen nutzen? Vielen bekannt, als Begleiter von Rosen. Wobei ich gerne Rosen eher ohne großartige Begleiter mag. Ist halt Geschmackssache. Große, gepflegte Lavendelsträucher machen auch alleine was her. Natürlich als Beetanpflanzung, als Einfassung von Wegen oder sonstigen Bereichen. Auch im Topf bzw. Kübel macht er sich gut. Welche Standortansprüche hat er? Er kommt mit mageren, trockenen Böden in sonniger Lage gut parat. In seinem Herkunftsgebiet (Mittelmeerregion) bildet er tiefe Wurzeln aus um ans Wasser zu kommen. Was für uns bedeutet, Vernässung ist ihm absolut unlieb. Als Topfpflanze muss mit Vorsicht gegossen werden. Im Freiland sind Wassergaben nur bei richtiger Trockenheit nötig. Trotzdem sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll. Keiner von uns will ihn als Trockenblume haben. Mit gängigen Schädlingen, wie Schnecken oder Blattläusen, hat er nichts am Hut. Auf sehr feuchten Plätzen gibt es Probleme mit Pilzerkrankung im Stängel-/Wurzelbereich.


Lavendel wächst am Straßenrand

Auch sind ab und an weißliche, verschlungene Fraßschäden auf den Blättern zu finden. Hier handelt es sich um eine Minierfliege. Die frisst das Blattgrün zwischen der Ober- und Unterseite der Blätter heraus. Bei Anfangsbefall abzupfen und in die Tonne. Wer Duftsäckchen für diverse Zwecke herstellen will kann das „Grünzeug“ vom Rückschnitt verwerten. Andere Verwendungszwecke, wie Teebereitung zu unterschiedlichster Beschwerdelinderung, verfeinern von Soßen und Süßigkeiten, Seifenproduktion, Gewürz für Fisch, Lamm, Salat runden seine Vielseitigkeit ab. Es ist empfehlenswert Lavendel morgens früh zu ernten. Da ist sein Duft am gehaltvollsten. Bremsen sie sich bei der Düngung. Im Zweifelsfall lieber mal zurückhaltend sein. In kalten Gegenden braucht er durchaus einen Winterschutz. Lavendel lässt sich durch Stecklinge vermehren. Beim Schnitt im Frühjahr bzw. Sommer fällt einiges an Material an. Ich hatte eine Zeitlang nicht so richtig Gefallen an Lavendel. Muss aber jetzt zugeben dass er mir sympathisch wurde. Er blüht schön, von rosafarben über blau-violett bis weiß. Sein angenehmer Duft versetzt uns in Urlaubsstimmung. Zusätzlich bietet er Insekten eine Nahrungsquelle, hat etliche Verwendungsmöglichkeiten im gesundheitlichen und hygienischen Bereich, nicht zu vergessen seine Robustheit.
Dann viel Erfolg für sie mit diesem „Wunderstrauch“.


Hans Willi Konrad, DLR R-N-H Bad Kreuznach
Alle Bilder Hans Willi Konrad





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